In den letzten Jahren sind auf dem Markt viele neue alternative Objektivhersteller mit mehr oder weniger interessanten Alternativen für die modernsten spiegellosen Kameras erschienen. Dies ist jedoch nicht der Fall bei der Marke Rollei, die auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblicken kann und uns ein sehr interessantes Objektiv Rollei AF 85mm f/1,8 zunächst in Versionen für Nikon und Sony anbietet. Dieses Objektiv ist in vielerlei Hinsicht wirklich einzigartig und verdient daher definitiv Aufmerksamkeit sowie eine eigene Rezension. Beide Versionen dieses Objektivs sind bis auf das Bajonett identisch, im Artikel werde ich jedoch nur die Nikon-Version erwähnen, da ich genau diese für die Rezension zur Verfügung hatte und die Testbilder mit einer Nikon Z6 II aufgenommen habe.
Die mechanische Ausführung ist eine der großen Besonderheiten des Rollei AF 85mm f/1,8 Z, denn er ist außergewöhnlich robust und im Grunde vollständig aus Metall gefertigt, was heutzutage wirklich selten ist. Zwar gibt der Hersteller keine ausdrückliche Angabe zur Feuchtigkeits- und Staubresistenz, aber ich bin überzeugt, dass er einiges aushält, und eine Gummidichtung am Bajonett fehlt ebenfalls nicht. Ein derart präzise gefertigtes und zusammengesetztes Objektiv habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Metallisch ist nicht nur das Bajonett, sondern auch das gesamte Gehäuse einschließlich des Drehrings. Vermutlich handelt es sich beim verwendeten Metall um eine leichte Aluminium- oder Magnesiumlegierung, sodass dies das Gewicht im Vergleich zu üblichen Werten ähnlicher Objektive dieser Parameter nicht merklich erhöht – das Objektiv wiegt nicht einmal ein halbes Kilogramm (genau 477 g).
In Gewicht und Abmessungen ist das Rollei AF 85mm f/1,8 Z mit anderen Objektiven ähnlicher Parameter vergleichbar und liegt gut in der Hand. Der Fokussierring ist angenehm breit und durch eine markante Textur vom restlichen Gehäuse abgesetzt, sodass er leicht ertastbar ist, jedoch schmal genug, um ihn nicht versehentlich zu verstellen. Sein Lauf ist im Gebrauch vorbildlich sanft, gleichmäßig und zeigt beim Drehen keinerlei Spiel oder Reibung.
Der Fokussierring ist jedoch nicht das einzige Bedienelement. An der Seite des Rollei AF 85mm f/1,8 Z befindet sich außerdem ein klassischer Schalter zur Wahl zwischen automatischem und manuellem Fokus. Direkt daneben liegt eine programmierbare Taste, der Sie eine bevorzugte Funktion zuweisen können – zum Beispiel Fokusverriegelung oder Lupenfunktion. Die Möglichkeiten hängen von der Nikon-/Sony-Version und der verwendeten Kamera ab. Aber das ist noch nicht alles – das Objektiv verfügt zudem über einen eigenen USB-C-Anschluss (gut am Bajonett verborgen), über den Sie das Objektiv mit einem Computer verbinden und die Firmware einfach und schnell (in bis zu 30 Sekunden) aktualisieren können.
| Parameter | Rollei AF 85mm f/1,8 Z | NIKKOR Z 85mm f/1,8 S |
|---|---|---|
| Brennweitenbereich | 85 mm | 85 mm |
| Sensorabdeckung | Vollformat (FX) | Vollformat (FX) |
| Bajonett | Nikon Z | Nikon Z |
| Filtergewinde | 62 mm | 67 mm |
| Bildwinkel (horizontal) | 28,5° | 28,5° |
| Kleinste Blende | f/16 | f/16 |
| Lichtstärke | f/1,8 | f/1,8 |
| Anzahl Blendenlamellen | 11 | 9 |
| Optische Stabilisierung | ✕ | ✕ |
| Fokussierung | Leiser Schrittmotor | Leiser Schrittmotor |
| Optischer Aufbau | 10 Linsen | 12 Linsen |
| Speziallinsen | 2× ED, 2× HR | 2× ED, 1× Antireflexbeschichtung Nano Crystal Coat |
| Kürzeste Fokussierdistanz | 85 cm | 80 cm |
| Besondere Ausstattung | USB-C-Anschluss | Multifunktionaler AF-Ring |
| Wetterfestigkeit | Vom Hersteller nicht angegeben | ✕ |
| Gegenlichtblende | ✓ | HB-91 (im Lieferumfang) |
| Objektivtasche | ✕ | CL-C1 (im Lieferumfang) |
| Abmessungen | ca. 96 × 80 mm | ca. 99 × 75 mm |
| Gewicht | 477 g | 470 g |
| Preis zum 8. 8. 2025 | 352,90 EUR | 955,90 EUR |
Zu Beginn dieses Kapitels ist es sinnvoll, einige Angaben zur Sicherheit zu wiederholen, da sie recht interessant sind. In erster Linie ist dies die Tatsache, dass das Rollei AF 85mm f/1,8 Z das volle Vollformat abdeckt, sich aber ebenso gut auch an einem kleineren APS-C-Sensor verwenden lässt (die Beispielaufnahmen wurden im Vollformat erstellt). Die kürzeste einstellbare Fokussierdistanz beträgt 85 cm, was für Makroaufnahmen natürlich nicht ausreichen wird (und auch niemand erwartet), aber für Detailaufnahmen, wie etwa größere Blüten, durchaus genügt. Interessant ist auch, dass sich manche aktuellen alternativen Hersteller auf Objektive ohne Elektronik und somit ohne Autofokus verlegen, was hier nicht der Fall ist. Hier steht ein schneller Schrittmotor zum Fokussieren zur Verfügung, sodass auch Actionmotive kein Problem darstellen.
Wichtig ist aber natürlich vor allem die Schärfe, und diese ist in diesem Fall geradezu hervorragend – und zwar praktisch unter allen Umständen. Selbst bei sogenannter „offener Blende“, also bei der minimalen Blende f/1,8, liefert dieses Objektiv eine wirklich großartige Leistung und die Bilder überzeugen durch perfekte Schärfe. Wenn Sie ihm wenigstens ein wenig gutes Licht und ein Motiv mit sehr feinen Details gönnen, werden diese Details regelrecht messerscharf abgebildet. Das ist genau das, was man von einem solchen Objektiv erwartet, und wenn Sie also den geringen Schärfentiefebereich voll ausnutzen möchten (wofür es im Grunde vorgesehen ist), werden Sie nicht enttäuscht sein. Die Schärfe ist auch in den Bildecken hoch und bei Verwendung an einem kleineren APS-C-Sensor sogar noch besser.
Bei einem lichtstarken Objektiv mit Lichtstärke f/1,8 ist natürlich auch das Bokeh – also die Darstellung der unscharfen Bildbereiche – von großer Bedeutung. Hier ist ein weiterer interessanter Parameter zu erwähnen: Das Rollei AF 85mm f/1,8 Z verwendet eine 11-lamellige runde Blende. Das ist wirklich selten, da selbst sehr teure (deutlich teurere) Objektive meist nur eine 9-lamellige Blende haben. Dies wirkt sich positiv auf das Ergebnis aus – das Bokeh ist sehr weich, cremig und ausgesprochen natürlich.
Das Rollei AF 85mm f/1,8 Z ist außerdem mit hochwertigen Antireflex-Beschichtungen ausgestattet, sodass es auch mit starkem Gegenlicht gut zurechtkommt. Weitere optische Fehler wie sphärische Verzeichnung oder chromatische Aberration habe ich nicht festgestellt – wobei natürlich wie immer die Frage bleibt, ob dies an der Qualität des Objektivs oder an der automatischen Korrektur in der Kamera oder an beidem liegt (meiner Meinung nach an beidem). In der Praxis ist das jedoch unerheblich, da das Ergebnis zählt, nicht der Weg dorthin.
Interessant ist auch die sehr hochwertige Verpackung des Objektivs (siehe Firmen-Unboxing-Video) sowie die Tatsache, dass im Lieferumfang auch eine hochwertige Bajonett-Gegenlichtblende enthalten ist. Als weiteres Zubehör können Sie selbstverständlich auch klassische Schraub-Fotofilter mit einem Durchmesser von 62 mm verwenden.
Der Einsatzzweck des Rollei AF 85mm f/1,8 Z ist völlig klar, und nicht ohne Grund werden Objektive dieser Parameter seit jeher als Porträtobjektive bezeichnet, geeignet nicht nur für Porträts von Menschen, sondern auch von Haustieren oder Tieren im Allgemeinen. Das bedeutet jedoch nicht, dass dies ihre einzige Einsatzmöglichkeit wäre – im Gegenteil: Die gegebene Brennweite und die hohe Lichtstärke lassen sich auch für andere Zwecke nutzen. Naheliegend ist jede Art der Detailfotografie, aber auch Landschafts- oder Architekturelemente. Die hohe Lichtstärke und die geringe Schärfentiefe laden, neben dem Spiel mit Vorder- und Hintergrund, auch zu Nacht- oder Astrofotografie ein.
Wenn ich also abschließend die positiven Eigenschaften des Rollei AF 85mm f/1,8 Z zusammenfassen soll, wird die Liste recht lang, denn es gibt tatsächlich viele Pluspunkte. Das Objektiv ist mechanisch praktisch perfekt, ebenso in Ausstattung und Eigenschaften. Es zeichnet sich zudem durch hervorragende Schärfe, sehr angenehmes Bokeh, einen schnellen Schrittmotor für den Autofokus aus – und das Beste zum Schluss: all das (und nicht nur das, siehe abschließende Liste) zum aktuellen Preis (08/2025) von 352,90 EUR, was ein ungewöhnlich günstiger Preis ist. Normalerweise halte ich mich in meinen Fazits etwas zurück, nach dem Motto: Was dem einen gefällt, muss dem anderen nicht zusagen und umgekehrt. In diesem Fall jedoch kann ich nicht anders – ein Objektiv mit einem so großartigen Preis-Leistungs-Verhältnis habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Wenn Sie also mit einem Objektiv dieser Brennweite und Lichtstärke liebäugeln, kann ich es Ihnen nur wärmstens empfehlen.
Wenn ich aber abschließend auch noch eventuelle Nachteile nennen soll, fällt mir hier tatsächlich nichts ein – höchstens der Umstand, dass der Hersteller keine Wetterfestigkeit angibt, obwohl das Objektiv äußerst robust ist und sogar eine Dichtung am Bajonett besitzt. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es (bisher) nur für Kameras der Marken Nikon und Sony verfügbar ist und derzeit das einzige Objektiv im Sortiment darstellt. Es ist jedoch zu erwarten, dass bald weitere folgen werden – wir dürfen also gespannt sein.
Rollei AF 85mm f/1,8 Z
ObjektiveDas Rollei AF 85mm f/1,8 Z ist eine angenehme Überraschung auf dem aktuellen Markt. Es vereint das Beste aus beiden Welten – eine solide Metallkonstruktion und eine Premium-Bildqualität, wie man sie eher bei deutlich teureren Marken erwarten würde – mit einem Preis, der mehr als sympathisch ist. Der Hersteller setzte auf die bewährte Porträtbrennweite, ergänzte sie um hervorragende Fokussierung, außergewöhnlich weiches Bokeh und vergaß auch nicht auf moderne Details wie den USB-C-Anschluss zur Firmware-Aktualisierung. Wenn Sie ein universelles Porträtobjektiv suchen, das nicht nur hervorragend abbildet, sondern auch gut aussieht und angenehm in der Hand liegt, dann ist dieses Rollei ein ernsthafter Kandidat für Ihre nächste Wahl. Und mehr noch – beim Gedanken an den Preis drängt sich unweigerlich das Gefühl auf, dass hier jemand die Messlatte verdammt hoch gelegt hat.
Vorteile
Nachteile
Michal Kupsa
Michal Kupsa was born in Brno in 1970. He began photography when he was 15 years old and started with journalism three years later. He has collaborated with a number of prestigious Czech and foreign media companies including Czech Television, Czech Radio, National Geographic, the US National Library, iDNES, People in Need and most Czech magazines about photography. Now, he mainly focuses on travel articles, photographic reviews, and photography courses.