Der Fototechnikhersteller Rollei hat sich vor relativ kurzer Zeit entschlossen, in die Herstellung von Objektiven für moderne spiegellose Systemkameras einzusteigen, vorerst für Modelle mit Nikon-Z- und Sony-FE-Bajonett, also Kameras mit einem großen Sensor im Kinofilmformat, dem sogenannten Full Frame. Bislang handelt es sich um drei Objektive, die einige gemeinsame Merkmale aufweisen: Alle drei verfügen über die gleiche hohe Lichtstärke von f/1,8 und haben zudem eine feste Brennweite – 85 mm, 35 mm und nun auch 24 mm. Die ersten beiden Objektive habe ich hier bereits in einem Nutzerbericht vorgestellt, sodass von diesem Trio nun (vorerst) nur noch das letzte, das Objektiv mit dem größten Bildwinkel, übrig bleibt, das Rollei AF 24mm f/1,8 Z.
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Abgesehen vom Bajonettanschluss sind beide Versionen dieses Objektivs ansonsten völlig identisch, doch werde ich in diesem Artikel nur noch auf die Nikon-Version eingehen, da mir eben diese zum Testen zur Verfügung stand und ich die Beispielfotos mit der Kamera Nikon Z5 II aufgenommen habe, die eine der möglichen geeigneten Kameras für dieses spezielle Objektiv ist.
Abgesehen vom Bajonett sind die beiden Versionen dieses Objektivs völlig identisch, aber in diesem Artikel werde ich fortan nur noch die Version für Nikon erwähnen, da mir genau diese für den Test zur Verfügung stand und ich die Beispielfotos mit einer Nikon Z5 II aufgenommen habe, die eine der möglichen geeigneten Kameras für dieses spezielle Objektiv ist.
Die mechanische Verarbeitung ist, genau wie bei den ersten beiden Objektiven, buchstäblich perfekt. Es kommen erstklassige Materialien zum Einsatz, wobei nicht nur der Bajonettanschluss aus Metall besteht, sondern das gesamte Objektiv, einschließlich beispielsweise des Fokussierrings – und das sieht man wirklich nicht oft. Es geht jedoch nicht nur um das verwendete Material, sondern auch um die Verarbeitungsqualität und die Gesamtkonstruktion, die ebenfalls auf absolut höchstem Niveau sind. Mir liegt fast eine sarkastische Bemerkung gegenüber einigen Mitbewerbern auf der Zunge, dass diese sich bei Rollei inspirieren lassen sollten, denn so muss es einfach aussehen – und zwar bis ins kleinste Detail.
Das Rollei AF 24 mm f/1,8 Z-Objektiv ist zudem nicht nur an der Vorderseite, sondern auch an der Rückseite vollständig geschlossen, und kein Teil des Objektivs fährt aus oder dreht sich, wodurch sichergestellt ist, dass kein Staub oder andere Verunreinigungen ins Innere gelangen können. Der Hersteller gibt jedoch leider keine ausdrückliche Angabe zur Wetterfestigkeit an, dennoch ist es mehr als offensichtlich, dass es wirklich sehr viel aushält. Ich würde sagen, dass es problemlos auch den professionellen Einsatz im Sinne von häufiger Nutzung, häufigem Wechseln mit anderen Objektiven an der Kamera, aber auch etwas rauerer Behandlung unter anspruchsvollen klimatischen Bedingungen bewältigt.
Trotz der robusten Ganzmetallkonstruktion ist dieses Objektiv (angesichts der Kombination aus Brennweite und hoher Lichtstärke) leicht und wiegt nur 483 g. Dies deutet darauf hin, dass es sich bei dem verwendeten Metallmaterial wahrscheinlich um eine Variante von gehärtetem Aluminium oder einer Aluminiumlegierung handelt. Auch eine Gummidichtung um den Bajonettanschluss fehlt nicht. Ebenso gut schneidet es in puncto Ergonomie ab, da es gut in der Hand liegt und der Fokusring einen wunderbar sanften und gleichmäßigen Lauf hat. Der einzige Vorbehalt ist vielleicht die Tatsache, dass die Beschriftung des Objektivs in relativ kleiner Schrift (nur ca. 2 mm) gehalten ist, sodass man, wenn man sich mehrere Objektive dieser Marke zulegt, diese im Fotorucksack verwechseln kann – denn alle drei Objektive der Marke Rollei sehen optisch fast identisch aus.
| Parameter | Rollei AF 24mm f/1,8 Z | NIKKOR Z 24mm f/1,8 S |
|---|---|---|
| Brennweite | 24 mm | 24 mm |
| Chip-Abdeckung | Full Frame | Full Frame |
| Bajonett | Nikon Z | Nikon Z |
| Filtergewinde | 62 mm | 72 mm |
| Aufnahmewinkel (horizontal) | 84° | 84° |
| Maximale Blende | f/16 | f/16 |
| Lichtstärke | f/1,8 | f/1,8 |
| Anzahl der Blendenlamellen | 11 | 9 |
| Optische Bildstabilisierung | ✕ | ✕ |
| Optisches System | 14 Linsen | 12 Linsen |
| Spezielle Linsen | 4× ED, 2× HR, 2× aspherisch | 4× aspherisch, 1× ED |
| Kürzeste Fokussierentfernung | 32 cm | 25 cm |
| Witterungsbeständigkeit | ✕ | ✓ |
| Farbausführung | schwarz | schwarz |
| Sonnenblende | ✓ (im Preis inbegriffen) | HB-88 (im Preis inbegriffen) |
| Abmessungen | cca 96 × 80 mm | cca 97 × 75 mm |
| Gewicht | 483 g | 450 g |
| Preis zum 10. 4. 2026 | 350 Euro | 1.230 Euro |
Wie die Bezeichnung bereits deutlich macht, verfügt das Rollei AF 24 mm f/1,8 Z über eine sehr attraktive Brennweite von 24 mm mit einem relativ weiten Bildwinkel von 84° und einer sehr hohen Lichtstärke von f/1,8. Das sind natürlich nicht die einzigen interessanten Parameter; besonders erwähnenswert ist vor allem die Ausstattung mit einem schnellen und leisen Schrittmotor für den Autofokus, der das Objektiv nicht nur für Actionfotografie, sondern auch für Videoaufnahmen geeignet macht. Das Objektiv ist jedoch auch mit einem separaten AM/MF-Fokusschalter sowie einer Funktionstaste ausgestattet, der Sie im Kameramenü eine Ihrer bevorzugten und häufig genutzten Funktionen zuweisen können. Die Funktion des Fokussierrings lässt sich jedoch nicht ändern. Es ist jedoch möglich, dass dies mit der Zeit durch ein Firmware-Update möglich wird – das Objektiv lässt sich nämlich auf recht originelle Weise aktualisieren, nämlich über einen am Bajonett gut versteckten USB-C-Anschluss.
Das optische System des Objektivs selbst ist etwas komplexer und besteht aus 14 Linsen, von denen gleich 8 Speziallinsen sind, also aus optischem Glas mit geringer Streuung, asphärisch und dergleichen. Das macht sich in den praktischen Ergebnissen bemerkbar, und die Qualität der Fotos ist hervorragend. Im Bildzentrum sind die Fotos unter allen Umständen gestochen scharf, ohne dass die Blende einen größeren Einfluss hat. In den Ecken ist bei vollständig geöffneter Blende natürlich ein leichter Schärfeverlust zu erkennen, aber es reicht schon, die Blende ein wenig zu schließen, und das macht sich sofort im Ergebnis bemerkbar. Die allerbeste Schärfe erreicht das Objektiv dann im üblichen Bereich von f/4 bis f/8. Aber auch bei größerer Blendenöffnung, also bei f/11 oder bis zur maximalen Blende f/16, schneidet es gut ab. Insbesondere in der Landschaftsfotografie lässt sich so eine maximale Schärfentiefe mit einem deutlich schärferen Vordergrund erzielen, was den Aufnahmen einen räumlichen Eindruck verleiht. Dazu trägt auch die minimale Fokussierentfernung von 32 cm bei.
Bei einem Objektiv mit einer sehr hohen Lichtstärke von f/1,8 ist natürlich auch das Bokeh, also die Darstellung der unscharfen Bereiche außerhalb der Schärfentiefe, ein entscheidendes Kriterium. Das Bokeh des Rollei AF 24 mm f/1,8 Z ist jedoch sehr natürlich und angenehm, wozu die 11-Lamellen-Blende beiträgt. Dadurch lässt sich das Hauptmotiv relativ leicht vom Hintergrund abheben, und man kann nach Herzenslust mit der Schärfentiefe oder dem Hintergrund des Bildes spielen – was meist einer der Hauptgründe ist, warum man sich ein Objektiv mit dieser Kombination aus Brennweite und Lichtstärke zulegt.
Hochwertig sind auch die Antireflexbeschichtungen, die unerwünschte Reflexionen hervorragend unterdrücken, selbst bei starkem Gegenlicht oder wenn die Sonne direkt im Bildausschnitt liegt. Natürlich hängt viel von der jeweiligen Bildkomposition und der Position der Lichtquelle im Bild ab, aber manchmal funktioniert es sogar so gut, dass praktisch gar keine Reflexionen auftreten. Das Gleiche gilt für die chromatische Aberration, die fast gar nicht auftritt, auch wenn es hier natürlich fraglich ist, inwieweit dies dem Objektiv und inwieweit der verwendeten Kamera zu verdanken ist, aber in der Praxis spielt das keine Rolle. Das Gleiche gilt auch für die sphärische Verzeichnung, die absolut minimal oder gar nicht vorhanden ist.
Alle Rollei-Objektive haben eines gemeinsam: Im Preis des Objektivs ist bereits eine hochwertige, gestanzte (also wirksame) Bajonett-Sonnenblende enthalten, was ein weiterer wesentlicher Pluspunkt ist, denn bei diesem kleinen Stück Kunststoff sparen Sie immer noch ein paar Dutzend Euro im Vergleich dazu, wenn Sie sie separat kaufen müssten, wie es bei einigen Mitbewerbern leider üblich ist. Die konsequente Verwendung der Sonnenblende empfehle ich natürlich unbedingt, da sie gleichzeitig auch die Frontlinse vor Beschädigungen schützt.
Die praktischen Einsatzmöglichkeiten des Rollei AF 24 mm f/1,8 Z-Objektivs sind sehr vielfältig, da die Kombination aus einer Brennweite von 24 mm und einer hohen Lichtstärke von f/1,8 sehr vielseitig ist. Allerdings ist der Bildwinkel von 84° doch sehr weitwinklig, sodass der Schwerpunkt der praktischen Anwendung vor allem auf der Landschafts- oder Architekturfotografie liegen wird. Die hohe Lichtstärke hilft jedoch auch deutlich in Situationen mit unzureichender Beleuchtung, und vor allem in Kombination mit einer hochwertigen Vollformatkamera ermöglicht sie Ihnen bei einer höheren ISO-Empfindlichkeit oft ohne größere Schwierigkeiten auch klassische Nachtaufnahmen ohne Stativ. Natürlich können Sie das Objektiv auch in anderen fotografischen Bereichen einsetzen – es hängt ganz von Ihrer Kreativität ab.
Der aktuelle (04/2026) Verkaufspreis des Rollei AF 24 mm f/1,8 Z beträgt 350 Euro, was ohne Übertreibung ein hervorragender Preis ist, da Objektive mit diesen Parametern meist viel mehr kosten, oft sogar das Doppelte oder Dreifache dieses Preises. Für diesen Preis erhalten Sie zudem ein wirklich hochwertiges Weitwinkelobjektiv mit hoher Lichtstärke, das sich durch eine hervorragende Schärfe sowie einen schnellen und leisen Autofokus auszeichnet, der sich auch für Videoaufnahmen eignet. Zur Ausstattung gehören auch eine Funktionstaste, eine 11-Lamellen-Blende, ein eigener USB-C-Anschluss und im Preis inbegriffen ist auch eine hochwertige Gegenlichtblende. All dies zudem in einer robusten, vollmetallischen und buchstäblich vorbildlichen mechanischen Ausführung, die jedoch keineswegs besonders schwer ist. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ebenfalls wirklich sehr gut.
Außerdem muss ich hinzufügen, dass mir diesmal keine wirklich gravierenden Mängel einfallen, weshalb ich nur zwei Kleinigkeiten erwähnen werde, die aber fast nicht der Rede wert sind. Erstens gibt der Hersteller keine Angaben zur Widerstandsfähigkeit. Der Bauweise nach ist offensichtlich, dass das Rollei AF 24 mm f/1,8 Z-Objektiv sehr widerstandsfähig ist und sogar über eine entsprechende Dichtung am Bajonett verfügt, aber es wäre trotzdem schön, wenn die konkrete Widerstandsfähigkeit angegeben wäre. Der zweite Punkt ist dann vielleicht nur ein Kritikpunkt an der Beschriftung des Objektivs, die nur in sehr kleiner Schrift ausgeführt ist, und da sich alle Rollei-Objektive wie ein Ei dem anderen gleichen, kann man sie bei aktiveren Fotoaufnahmen in der Kameratasche leicht miteinander verwechseln. Was durchaus passieren kann, denn alle drei bisherigen Objektive sehen sich nicht nur ähnlich, sondern bieten auch ein ähnlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, sodass ich getrost alle drei empfehlen kann.
Rollei AF 24mm f/1,8 Z
ObjektiveDas Rollei AF 24 mm f/1,8 Z ist ein sehr gelungenes Weitwinkelobjektiv, das durch eine Kombination aus hervorragender Bildqualität, hoher Lichtstärke und einer überdurchschnittlichen mechanischen Verarbeitung besticht, wie man sie in dieser Preisklasse sonst selten findet. Es bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten von der Landschaftsfotografie bis hin zur Nachtfotografie, einen zuverlässigen Autofokus sowie Ausstattungsmerkmale, die man normalerweise erst bei teureren Modellen findet. Für diesen Preis ist es eine außerordentlich attraktive Wahl mit minimalen Kompromissen, die nicht nur Enthusiasten, sondern auch anspruchsvollere Anwender begeistern wird.
Vorteile
Nachteile
Michal Kupsa
Michal Kupsa wurde im Jahr 1970 in Brno (Brünn) geboren. Mit dem Fotografieren begann er bereits im Alter von 15 Jahren und wurde nur drei Jahre später auch journalistisch tätig. Er hat mit zahlreichen prestigevollen tschechischen und internationalen Medien zusammengearbeitet. Dazu zählen das staatliche Tschechische Fernsehen (Česká televize) und Rundfunk (Český rozhlas), National Geographic, die US- Kongressbibliothek, die Zeitung iDNES, die tschechische Hilfsorganisation Člověk v tísni (People in Need), sowie die meisten tschechischen Fachmagazine über die Fotografie und das Fotografieren. Zu seinen Hauptätigkeiten zählen Reiseberichte, Rezensionen zur Fototechnik und die Leitung von Fotografiekursen.