• Autor: Jan Vavřík
Smartphones sind heute oft fester verklebt als Ehen in einem romantischen Film. Das Fairphone 6+ geht hier traditionell einen anderen Weg, und Sie können viele seiner Komponenten selbst austauschen. Die Neuheit bietet dieses Mal vor allem mehr Leistung, mehr Arbeitsspeicher und eine neue Farbe. Die Reparierbarkeit, die für dieses Mobiltelefon typisch ist, bleibt dabei erhalten. Lassen Sie uns einen Blick darauf werfen, was die verbesserte Sechs mit dem Plus alles zu bieten hat.
Das Fairphone 6+ versucht nicht, den Wettbewerb um das dünnste Smartphone des Planeten zu gewinnen. Das Gehäuse behält sein charakteristisches, schlichtes Aussehen, die flachen Seiten und die modulare Konstruktion bei, die vor allem etwas aushalten soll. Das Telefon misst 156,57 × 73,28 × 9,6 mm, wiegt 193 Gramm und trotz der Möglichkeit einer relativ einfachen Demontage fehlt es nicht an der IP55-Zertifizierung. Die Konstruktion hat auch Falltests nach MIL-STD-810H aus 1,5 Metern Höhe bestanden. Sie können das Fairphone also zwar aufschrauben, aber es soll definitiv nicht beim ersten bösen Blick auf den Bürgersteig auseinanderfallen.
Neben dem grünen Forest Green und dem schwarzen Horizon Black kommt Cobalt Blue hinzu, also eine neue blaue Variante. Der Hersteller legt weiterhin großen Wert auf Nachhaltigkeit, und 51 % des Gerätegewichts bestehen aus fair gewonnenen oder recycelten Materialien, und das über 15 Materialien hinweg. Unter den recycelten Materialien finden wir beispielsweise Aluminium, Kupfer, Stahl, Nickel, Kunststoffe oder Seltene Erden; der Hersteller arbeitet auch mit fair gewonnenem Gold und Wolfram. Die ökologische Seite des Fairphones endet also nicht bei einem schönen Slogan auf der Verpackung.
Genau hier setzt das Fairphone 6+ in einer Disziplin an, die es bereits gut kennt. Die modulare Konstruktion bietet 12 vom Benutzer austauschbare Teile. Dazu gehören der Akku, das Display, die Haupt- und Ultraweitwinkelkamera, die Selfie-Kamera, das obere Modul, die Hörmuschel, der USB-C-Anschluss, der obere und untere Teil der Rückabdeckung oder der SIM-Schlitten. Mikrofone, Seitentasten und der Fingerabdrucksensor können dann in einem Servicecenter repariert werden. Zum Öffnen des Telefons benötigen Sie dabei nur ein einziges Werkzeug – einen Torx-T5-Schraubendreher. Anstelle von Kleber, Heißluftpistole und Gebeten an alle Service-Götter kommen so die guten alten Schrauben zum Einsatz.
Der Sinn besteht vor allem darin, die Lebensdauer des Telefons zu verlängern. Der Hersteller gibt an, dass Akku, Display, USB-C-Anschluss oder Rückabdeckung in weniger als fünf Minuten ausgetauscht werden können, und garantiert die Verfügbarkeit von Ersatzteilen bis zum Jahr 2033. Fairphone kann sich zudem mit einer Reparierbarkeitsbewertung von 10/10 von iFixit rühmen. Wenn also nach einigen Jahren der Ladeanschluss den Geist aufgibt, muss wegen eines ungehorsamen USB-C-Ports nicht gleich das ganze Smartphone in die Schublade neben das Nokia aus dem Jahr 2004 wandern.
Auf der Vorderseite des Fairphone 6+ finden wir ein 6,31 Zoll großes LTPO-AMOLED-Display mit einer Auflösung von 2.484 × 1.116 Pixeln und einer Pixeldichte von 431 PPI. Die adaptive Bildwiederholfrequenz bewegt sich zwischen 10 und 120 Hz, und die automatische Helligkeit kann bis zu 1.400 Nits erreichen. Es fehlt weder HDR10 noch ein Always-On-Display.
Für den Schutz sorgt Corning Gorilla Glass 7i mit einer oleophoben Beschichtung. Das Panel stellt 1,07 Milliarden Farben dar, und die Touch-Schicht arbeitet mit einer Abtastrate von 240 Hz. Das Display lässt sich auch mit nassen Fingern oder Handschuhen bedienen. Und wenn das Gorilla Glass doch einmal den Kampf gegen den Bürgersteig verliert? Dieses Mal müssen Sie nicht anfangen, nach den Preisen für ein neues Telefon zu suchen. Das Display gehört zu den austauschbaren Komponenten. Fairphone hat auf ein kaputtes Display einfach eine etwas andere Antwort als „Kaufen Sie sich ein neues Handy“.
Das Pluszeichen ist dieses Mal nicht nur eine kosmetische Verzierung des Namens. Im Inneren des Fairphone 6+ arbeitet ein 4-nm-Qualcomm Snapdragon 7s Gen 4 mit einer maximalen Taktfrequenz von 2,7 GHz und einer Adreno-810-Grafik, der durch 12 GB LPDDR5-Arbeitsspeicher ergänzt wird. Genau der Prozessor, der RAM, die Farbvarianten und der Preis sind laut Hersteller das, was das Fairphone 6+ vom Basismodell unterscheidet. Die übrigen technischen Parameter sind identisch.
Für Daten steht ein 256 GB großer UFS-3.1-Speicher bereit. Und jetzt kommt ein kleiner Ausflug in die Zeiten, als die Hersteller noch glaubten, dass der Benutzer mehr Speicherplatz wünschen könnte. Fairphone unterstützt microSD-Karten mit einer Kapazität von bis zu 2 TB. Die Konnektivität umfasst 5G, Wi-Fi 6E, Bluetooth 5.4 LE und NFC, und auch eine Nano-SIM in Kombination mit einer eSIM fehlt nicht.
An der Seite des Fairphone 6+ finden wir einen physischen Schalter, der mit der Funktion Fairphone Moments verbunden ist. Diese ermöglicht es, die normale Telefonumgebung durch einen minimalistischeren Modus zu ersetzen und Apps sowie andere digitale Ablenkungen einzuschränken. Anstatt eine weitere App zu installieren, die Sie darauf hinweist, dass Sie zu viele Apps verwenden, hat Fairphone also einen einfachen Schalter hinzugefügt. Das hat durchaus etwas für sich.
Das Fairphone 6+ wird mit Android 16 ausgeliefert, und der Hersteller verspricht sechs große Android-Updates bis zum Jahr 2032. Die gesamte Softwareunterstützung soll bis 2033 fortgesetzt werden, und das Telefon wird zudem von einer fünfjährigen Garantie begleitet. Erfreulich ist auch die saubere Umgebung ohne vorinstallierte Drittanbieter-Apps über die Google-Apps und My Fairphone hinaus. Bei einem Gerät, das auf Langlebigkeit ausgelegt ist, ist ein langer Support ziemlich wichtig – die Möglichkeit, nach Jahren den Akku auszutauschen, wäre deutlich weniger interessant, wenn in der Zwischenzeit die Software selbst veraltet wäre.
Die Hauptkamera nutzt einen 50-MP-Sensor Sony LYTIA LYT-700C (IMX896) mit einer Größe von 1/1,56" und einer Blende von f/1,88. Es fehlt weder an Autofokus noch an optischer oder elektronischer Bildstabilisierung, einem 2-fachen In-Sensor-Zoom und maximal 10-fachem Digitalzoom. Videos können in bis zu 4K bei 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden, in Full HD auch bei 60 fps.
Gesellschaft leistet dem Hauptsensor eine 13-MP-Ultraweitwinkelkamera OmniVision OV13B10 mit einer Blende von f/2,2, einem Sichtfeld von 120°, elektronischer Stabilisierung und Autofokus. Die Frontkamera bietet 32 MP, eine Blende von f/2,0, Autofokus und elektronische Stabilisierung. Laut den detaillierten technischen Spezifikationen des Herstellers bewältigt die Frontkamera Videos in bis zu 2K bei 30 fps. Fairphone versucht also nicht, vier Objektive auf die Rückseite zu quetschen, nur damit das Telefon wie ein Kochfeld aussieht. Man setzt auf ein Paar brauchbarer Kameras – und beide können bei Bedarf ausgetauscht werden.
Energie liefert ein herausnehmbarer 4.415-mAh-Li-Ion-Akku, der mehr als 1.000 Ladezyklen bei Erhalt von mindestens 80 % der ursprünglichen Kapazität bewältigen soll. Der Hersteller gibt bis zu 19 Stunden und 38 Minuten Gesprächszeit, fast 18 Stunden Webbrowsing, knapp 15 Stunden Videowiedergabe oder 521 Stunden im Standby-Modus an. Und genau das Wort „herausnehmbar“ ist hier vielleicht wichtiger als die Kapazität selbst. Sobald der Akku nach Jahren anfängt, an Leistung zu verlieren, muss seinetwegen nicht das ganze Telefon in Rente gehen.
Das kabelgebundene Laden erreicht 27 W, kurzzeitig bis zu 30 W. Laut den detaillierten technischen Spezifikationen des Herstellers erreicht der Akku 50 % in 30 Minuten, 80 % in 45 Minuten und eine vollständige Ladung dauert etwa 85 Minuten. Unterstützt werden USB Power Delivery, PPS und Quick Charge 2/3/4+, und es fehlt auch nicht die Möglichkeit, das Laden auf 80 % mit Passthrough-Stromversorgung zu begrenzen. Kabelloses Laden wird nicht unterstützt.
| Parameter | Fairphone 6+ |
|---|---|
| Display | Diagonale: 6,31" |
| Auflösung: 2.484 × 1.116 px | |
| Typ: LTPO AMOLED, HDR10 | |
| Bildwiederholfrequenz: 10–120 Hz | |
| Pixeldichte 431 PPI, Helligkeit bis zu 1.400 Nits, Gorilla Glass 7i | |
| Rückkameras | Hauptkamera: 50 MP, f/1,88, Sony LYTIA LYT-700C, OIS + EIS |
| Ultraweitwinkel: 13 MP, f/2,2, 120°, AF, EIS | |
| Frontkamera | 32 MP, f/2,0, AF, EIS |
| Video | Hinten bis zu 4K bei 30 fps, vorne bis zu 2K bei 30 fps |
| Prozessor | Qualcomm Snapdragon 7s Gen 4, 4 nm |
| Arbeitsspeicher | 12 GB LPDDR5 |
| Interner Speicher | 256 GB UFS 3.1 |
| microSD bis zu 2 TB | |
| Abmessungen | 156,57 × 73,28 × 9,6 mm |
| Gewicht | 193 g |
| Widerstandsfähigkeit | IP55, MIL-STD-810H |
| Netzwerkunterstützung 5G | ✓ |
| Akku | 4.415 mAh, vom Benutzer austauschbar |
| Kabelgebundenes Laden: 27 W, in der Spitze bis zu 30 W | |
| Kabelloses Laden: nein | |
| Betriebssystem | Android 16 |
| Software-Support | 6 große Android-Updates bis 2032, gesamter Support bis 2033 |
| Reparierbarkeit | 12 vom Benutzer austauschbare Teile, Verfügbarkeit von Ersatzteilen bis 2033 |
| Konnektivität | 5G, Wi-Fi 6E, Bluetooth 5.4 LE, NFC, GPS, USB-C 2.0, Nano-SIM + eSIM |
| Farben | Cobalt Blue, Forest Green, Horizon Black |
| Preis | 649 Euro (12/256 GB) |
Das Fairphone 6+ kommt mit einem Preis von 649 Euro auf den europäischen Markt. Es wird in der Konfiguration mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher verkauft, zur Auswahl stehen die Farben Cobalt Blue, Forest Green und Horizon Black. Für ähnliches Geld finden wir natürlich bereits Telefone mit höherer Leistung, schnellerem Laden oder ambitionierteren Kameras. Aber Fairphone spielt ein etwas anderes Spiel.
Das Fairphone 6+ ist nämlich eher ein Marathonläufer als ein Sprinter. Anstatt auf Rekordjagd zu gehen, bietet es die Möglichkeit, Akku, Display oder USB-C auszutauschen, sowie Software-Support bis zum Jahr 2033. Wenn also in ein paar Jahren der Ladeanschluss in den elektronischen Ruhestand geht, muss ihm nicht das ganze Telefon folgen. Sie tauschen das defekte Teil ähnlich wie eine kaputte Glühbirne aus – wegen der kaufen Sie ja auch keinen neuen Kronleuchter. Und genau hier unterscheidet sich das Fairphone von der meisten Konkurrenz.