Bei der Testung von Objektiven stoße ich gelegentlich auf ein wirklich interessantes Exemplar, das sich in irgendeiner Weise deutlich von allen anderen oder ähnlichen Objektiven auf dem Markt unterscheidet. Eines dieser Exemplare ist genau das Teleobjektiv Canon RF 600 mm f/11 IS STM , das in mehrfacher Hinsicht buchstäblich einzigartig ist, man könnte fast sagen, sogar exotisch. Seine insgesamt sehr unkonventionelle Ausführung ist dabei keineswegs Selbstzweck und kann für viele Nutzer einen großen und vor allem praktischen Nutzen bieten.
Das Teleobjektiv Canon RF 600 mm f/11 IS STM fällt buchstäblich auf den ersten Blick auf, und zwar vor allem dadurch, dass es für diese Brennweite auffallend klein ist. Dabei handelt es sich um ein Objektiv, das auch große Sensoren abbilden kann Full Frame . Dies ist auf die einfache, man könnte sagen zusammenklappbare Bauweise zurückzuführen, und das Objektiv muss vor der Benutzung in die Arbeitsstellung ausgezogen werden. Das ist sehr einfach: durch Drehen des auffälligen Rings, der dem Kameragehäuse am nächsten ist, wird der Mechanismus entriegelt, das Objektiv wird einfach nach vorne ausgezogen und dann mit demselben Ring in der gewünschten Position wieder arretiert. Das klingt vielleicht etwas kompliziert, lässt sich aber mit etwas Übung in 1 bis 2 Sekunden problemlos bewerkstelligen, sodass nichts wirklich einschränkend ist, und das Objektiv passt auch zusammengeklappt in eine normale Fototasche.
Ansonsten weicht das Design und die Konstruktion des Objektivs Canon RF 600 mm f/11 IS STM nicht wesentlich von den üblichen Standards ab. Am Objektiv selbst finden Sie zwei weitere Ringe, von denen einer klassisch und ausreichend breit (vielleicht sogar etwas zu breit) für das manuelle Fokussieren ist. Ein weiterer, deutlich abgesetzter, silberner Ring ist ein Steuerungsring, mit dem Sie ISO-Empfindlichkeit, Belichtungskorrektur oder andere Funktionen einstellen können – je nachdem, wie Sie dies im Menü Ihrer Kamera definieren. Es handelt sich also um das klassische Festbrennweiten-Setup.
Seitlich am Objektiv Canon RF 600 mm f/11 IS STM befinden sich zudem drei Schalter, der erste verkürzt den Fokussierbereich für schnelleres Fokussieren auf Objekte, die mehr als 12 Meter entfernt sind. Hinzu kommt ein klassischer AF/MF-Schalter zum Wechseln zwischen automatischem und manuellem Fokussieren. Schließlich können Sie bei Bedarf die optische Stabilisierung des Objektivs deaktivieren. Weitere Bedienelemente gibt es nicht, sodass alles auf den ersten Blick klar ist.
In puncto Ergonomie liegt das Objektiv Canon RF 600 mm f/11 IS STM sehr gut in der Hand und passt auch hervorragend in größere Hände. Zwar sind fast alle Materialien aus Kunststoff, aber dennoch ausreichend hochwertig und robust, sodass es keineswegs billig wirkt, sondern im Gegenteil recht solide. Hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse, also klassisch gegen Feuchtigkeit und Staub, macht der Hersteller auf den offiziellen Seiten leider keine Angaben. Ich persönlich gehe jedoch davon aus, dass es durchaus einige widrigere Bedingungen aushält. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass der Anschluss Bajonett aus solidem Metall gefertigt ist. Ein angenehmes Detail ist auch, dass es über ein eigenes Standard-Stativgewinde verfügt, was definitiv ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt ist, auch wenn es sich nur für Querformataufnahmen verwenden lässt (nicht drehbar, fest an der Unterseite des Objektivs angebracht).
| Parameter | Canon RF 600mm F11 IS STM | Canon RF 100-400mm f/5.6-8 IS USM |
|---|---|---|
| Brennweite | 600 mm | 100–400 mm |
| Sensorabdeckung | Full Frame (FX) | Full Frame (FX) |
| Bajonett | Canon RF | Canon RF |
| Filtergewinde | 82 mm | 67 mm |
| Bildwinkel (horizontal) | 3° 30' | 20–5° |
| Maximale Blende | f/11 | f/45 |
| Lichtstärke | f/11 | f/5,6–8 |
| Anzahl der Blendenlamellen | nicht verfügbar | 9 |
| Optische Stabilisierung | ✓ (Effizienz 5 EV) | ✓ (Effizienz 5,5 EV) |
| Fokussierung | STM-Motor | USM-Nanomotor |
| Optischer Aufbau | 10 Linsen | 12 Linsen |
| Spezielle Linsen | 2× DO | 1× UD, 1× asphärisch |
| Kürzeste Fokussierdistanz | 450 cm | 88 cm |
| Spezielle Ausstattung | Stativgewinde, Steuerungsring | Multifunktionaler AF-Ring |
| Kompatibilität mit Telekonvertern | ✓ | ✓ |
| Wetterfestigkeit | Hersteller macht keine Angabe | ✕ |
| Gegenlichtblende | ET-88B (nicht im Lieferumfang) | ET-74B (nicht im Lieferumfang) |
| Objektivtasche | LZ 1328 (nicht im Lieferumfang) | LP 1224 (nicht im Lieferumfang) |
| Abmessungen | ca. 93 × 200 mm | ca. 80 × 165 mm |
| Gewicht | 930 g | 635 g |
| Preis zum 25. 7. 2025 | 847,50 EUR | 722,90 EUR |
Was die Ausstattung betrifft, sind vor allem zwei Schlüsseleigenschaften hervorzuheben: die Ausstattung mit einem schnellen, ultraschallbetriebenen STM-Schrittmotor und einer eigenen optischen Bildstabilisierung. Das Objektiv Canon RF 600 mm f/11 IS STM fokussiert dadurch ausreichend schnell, und bei zumindest einigermaßen guten Lichtverhältnissen kann sogar aus der Hand fotografiert werden, trotz der geringen Lichtstärke. Ein weiterer interessanter Aspekt dieses Objektivs ist, dass es eigentlich gar keine klassische Blende mit veränderbarer Öffnung besitzt, sondern mit einer festen Blende von f/11 ausgestattet ist, die weder nach oben noch nach unten verstellt werden kann.
Gerade die feste Blende ist eine weitere Besonderheit dieses Objektivs, da Objektive mit fester Blende tatsächlich kaum oder fast gar nicht zu finden sind. Diese Lösung bringt natürlich sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich. Die Lichtstärke f/11 ist zugegebenermaßen nicht berauschend, aber wenn das Licht gut ist, stört das nicht und besonders hilft auch eine bessere Kamera, die selbst bei höheren ISO-Werten noch gute Ergebnisse liefert. Der große Vorteil ist hingegen, dass das Teleobjektiv Canon RF 600 mm f/11 IS STM angesichts seiner Brennweite erstaunlich klein, leicht und nicht zuletzt auch günstig ist – das ist ein sehr attraktiver Kompromiss.
Die optische Qualität des Objektivs selbst ist (gemessen am Preis) sogar überraschend gut, selbst wenn es an einer Vollformatkamera eingesetzt wird. Wenn die Lichtverhältnisse wenigstens einigermaßen ordentlich sind, sind die Aufnahmen wirklich scharf – und zwar bis an die Ränder des Bildfeldes – und ohne weiteres auch für anspruchsvollere Einsätze oder größere Ausdrucke geeignet. Dank der festen Blende verfügt es zudem über ein schönes, natürlich wirkendes Bokeh, also eine ansprechende Darstellung unscharfer Bereiche außerhalb der Schärfentiefe. Genau Schärfe und Bokeh-Wirkung sind bei einem Objektiv dieser Art entscheidend. Vignettierung, Verzeichnung oder chromatische Aberration müssen nicht weiter thematisiert werden, da sie minimal sind oder von der Firmware der Kamera gut reduziert werden.
Rechnen Sie jedoch nicht damit, mit diesem Objektiv besonders feine Details fotografieren zu können, denn die kürzeste einstellbare Fokussierdistanz beträgt 4,5 Meter, was recht viel ist. Dieses Objektiv ist daher eindeutig für das Fotografieren entfernterer Motive, vor allem Tiere und Vögel, ausgelegt.
Die Frage des Zubehörs ist in diesem Fall ebenfalls sehr interessant, denn trotz der geringen Lichtstärke ist das Teleobjektiv Canon RF 600 mm f/11 IS STM vollständig mit Telekonvertern kompatibel, sowohl mit dem Canon Lens Extender RF 1,4x als auch mit dem Canon Lens Extender RF 2,0x! Zwar wird die Lichtstärke dadurch weiter reduziert, aber bei ausreichend Licht ist das nicht zwingend ein Problem und es ist tatsächlich erstaunlich, dass diese Option wirklich existiert – einschließlich funktionierender Bildstabilisierung und Autofokus, was vor allem an der höheren Sensibilität der Systeme in neueren Kameras liegt.
Doch damit nicht alles zu rosig klingt, stören zwei Dinge beim Zubehör – zum einen der Umstand, dass die Gegenlichtblende Canon ET-88B nicht im Lieferumfang enthalten ist und beim Nachkauf nicht gerade günstig ausfällt (dennoch ist ihr Kauf unbedingt zu empfehlen, sowohl für bessere Ergebnisse als auch zum Schutz der Frontlinse). Zum anderen – wenn auch weniger gravierend – ist der Umstand, dass das Filtergewinde dieses Objektivs 82 mm beträgt, was recht viel ist und kleiner hätte ausfallen können, gemessen am Durchmesser der Frontlinse. Der eventuelle Kauf von Fotofiltern wird dadurch leider teurer – der Preis steigt mit dem Durchmesser oft erheblich. Andererseits werden Filter bei Teleobjektiven meist selten verwendet, sodass dies in der Praxis nicht allzu schwer ins Gewicht fällt.
Der praktische Einsatzbereich des Teleobjektivs Canon RF 600 mm f/11 IS STM liegt also klar beim Fotografieren von Tieren oder Vögeln (Wildlife), insbesondere überall dort, wo große, schwere und teure Technik nicht angebracht oder möglich ist. Der große Vorteil ist der tatsächlich sehr attraktive Preis, der aktuell (07/2025) bei 847,90 EUR liegt. Für diesen Betrag erhalten Sie ein schnelles und leicht transportables Teleobjektiv mit sehr langer Brennweite, das sich im zusammengeklappten Zustand (nur 20 cm Länge) problemlos auch in einer Umhängetasche verstauen lässt. Es verfügt über schnellen Autofokus, eigene Bildstabilisierung und eine ordentliche Bildschärfe. Noch interessanter wird sein Einsatz an Kameras mit kleinerem APS-C-Sensor, wo sich die Brennweite auf den Gegenwert von 960 mm „verlängert“ – was wirklich beachtlich ist.
Der Kompromiss besteht in der geringen Lichtstärke mit fixer Blende und es ist schade, dass die Gegenlichtblende nicht im Standardlieferumfang enthalten ist. Auch der – vielleicht unnötig große – Filterdurchmesser oder die relativ lange Mindestfokussierdistanz könnten den einen oder anderen stören.
Abschließend noch ein Hinweis für diejenigen, denen 600 mm doch noch zu kurz erscheinen: Dieses Objektiv gibt es auch in nahezu identischer Ausführung, nur mit einer Brennweite von 800 mm, wobei die meisten Parameter gleich oder ähnlich sind – es ist lediglich etwas größer, schwerer und teurer.
Canon RF 600mm F11 IS STM
ObjektiveDas Canon RF 600 mm f/11 IS STM ist die ideale Wahl für jeden Fotografen, der eine extreme Telebrennweite sucht, ohne schweres und teures Equipment mit sich schleppen zu müssen. Es bietet eine sehr ordentliche Bildqualität, Stabilisierung und schnelles Fokussieren in einem leichten, kompakten und zudem erschwinglichen Gehäuse. Natürlich geht das mit einigen Kompromissen einher – wie der festen Blende mit geringer Lichtstärke oder der fehlenden Gegenlichtblende im Lieferumfang –, aber im Gesamtpaket ist es ein außergewöhnlich interessantes und praktisches Werkzeug, das vor allem im Bereich Wildlife- und Sportfotografie neue Möglichkeiten eröffnet.
Vorteile
Nachteile
Michal Kupsa
Michal Kupsa wurde im Jahr 1970 in Brno (Brünn) geboren. Mit dem Fotografieren begann er bereits im Alter von 15 Jahren und wurde nur drei Jahre später auch journalistisch tätig. Er hat mit zahlreichen prestigevollen tschechischen und internationalen Medien zusammengearbeitet. Dazu zählen das staatliche Tschechische Fernsehen (Česká televize) und Rundfunk (Český rozhlas), National Geographic, die US- Kongressbibliothek, die Zeitung iDNES, die tschechische Hilfsorganisation Člověk v tísni (People in Need), sowie die meisten tschechischen Fachmagazine über die Fotografie und das Fotografieren. Zu seinen Hauptätigkeiten zählen Reiseberichte, Rezensionen zur Fototechnik und die Leitung von Fotografiekursen.